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Wie gehen wir im Team mit einer Spannung zwischen Geimpften und Ungeimpften um?

Aktualisiert: 12. Okt.

Wie können wir ein starkes Team bleiben, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen im Umgang mit Corona haben? Wie gehen wir mit der Dissonanz von Geimpften und Ungeimpften um? All das sind Fragen, mit denen sich Teams derzeit auseinandersetzen und oftmals nicht ganz spannungsfrei. Um Führungspersonen und Teams dabei zu unterstützen einen guten Umgang zu finden, haben meine Kollegin Karin Zelt und ich Ideen gesammelt. Wir sind uns einig: Auch die Corona Krise ist für Teams eine Chance gemeinsam zu wachsen!


Ein kleiner Überblick:

1. Corona Situation als Spannungsfeld für Teams

2. Was kann eine Führungsperson tun, um mit den unterschiedlichen Meinungen im Team umzugehen?

3. Was können einzelne Teammitglieder tun?

4. Was können wir als Team tun?


#konfliktkultur #feedbackkultur #corona



Corona Situation als Spannungsfeld für Teams

In den Medien wird ziemlich reißerisch von der Spaltung der Gesellschaft, von Impfgegnern und Coronaleugnern gesprochen. Die Emotionen kochen bei einigen Gemütern hoch und die Diskussionen verlaufen meist sehr hitzig ab. Was in der Gesellschaft passiert, hört natürlich nicht vor den Türen der Unternehmen auf. In den Teams befinden sich Geimpfte, Ungeimpfte, Ängstliche, Leugner, Befürworter etc. Eben die ganze Bandbreite der Gesellschaft.


Durch die Corona Situation heizen sich die Diskussionen auch in den Teams weiter auf. Manch eine Person möchte nicht mehr ins Büro kommen, weil sie Angst hat oder sich weigert einen Test zu machen, obwohl der Rest des Teams im Büro wartet. Die Gründe sind vielfältig.


Was der unterschiedliche Umgang mit Corona mit den Teams macht, kann man sich gut vorstellen: Fragezeichen und Unverständnis entstehen, Meinungen werden ausgetauscht bis hin zu hitzigen Diskussionen und Konflikten oder Menschen, die sich aus dem Weg gehen. Der Teamzusammenhalt und die Teamzusammenarbeit leidet. Dies kann im äußersten Fall zur Spaltung von Teams oder zum Ausschluss einzelner Personen führen.


Doch was können Teams tun, um weiterhin eine gute Zusammenarbeit zu gewährleisten? Was können sie tun, um mit den unterschiedlichen Meinungen und Missstimmungen umzugehen?


Darüber habe ich mir mit meiner Kollegin Karin Zelt Gedanken gemacht und diese Gedanken möchte ich gerne mit Dir teilen. Wir sind überzeugt: Hinter der großen Herausforderung steckt auch einen große Chance für Teams zusammen zu wachsen!


Dabei haben wir drei unterschiedliche Ebenen beleuchtet: Die Führungsperson, die einzelnen Teammitglieder und das Team als Ganzes. Wir hoffen, dass hilfreiche Ideen für Dich und Dein Team dabei sind.


Wie gesagt, unser Ziel ist es, eine starke Teamzusammenarbeit zu gewährleisten und mit der Diversität gut umzugehen. In diesem Beitrag geht es nicht darum, über die Coronasituation oder Regierungsentscheidungen zu diskutieren oder Teams dazu zubringen am Ende nur eine bestimmte Meinung zu vertreten.


Was kann eine Führungsperson tun, um mit den unterschiedlichen Meinungen im Team umzugehen?

Für eine gute Teamzusammenarbeit ist ein starkes Team, Teamidentifikation, gemeinsame Ziele, Zusammenhalt, enge Beziehungen und ein guter Teamspirit notwendig. Bei Spannungen, die nicht konstruktiv gelöst oder unter den Teppich gekehrt werden, leiden die genannten Punkte enorm. Bis hin zum offenen Konflikt, Bilden von Parteien, Ausschluss oder Mobbing. Um dies zu vermeiden, ist das Verhalten jeder einzelnen Person im Team von Bedeutung.


Führungspersonen haben eine besondere Rolle. Sie sind Vorbilder für die Teammitglieder bzw. haben sie i.d.R. einen besonderen Einfluss auf das Team, deshalb möchte ich an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass das Vorleben von bestimmten Verhaltensweisen eine besondere Bedeutung und Auswirkung auf das Team haben kann. Gehen sie eher diplomatisch und authentisch mit der Situation um? Oder ärgern sie sich lautstark über die Differenzen im Team oder sogar über eine Person? Beides wirkt sich enorm auf das Team und die Atmosphäre aus. Egal wie, es macht etwas mit dem Team!


Führungskräfte sind in den meisten Unternehmen in der Verantwortung den Impfstatus aller Teammitglieder abzufragen. Aus diesem Grund können sie in diesem Zusammenhang direkt mit stark abweichenden Meinungen als der ihren, konfrontiert werden. Und damit fangen die Missstimmungen schon an.


Ich habe mit Führungspersonen gesprochen, die sich auf diese Gespräche nicht vorbereitet gefühlt haben. Zum einen, weil sie nicht damit gerechnet haben, dass es überhaupt Personen in ihrem Team gibt, die anderer Meinung sein könnten als sie selbst und zum anderen, wussten sie nicht, wie sie mit dieser Situation überhaupt umgehen sollen. Deshalb kann eine gute Vorbereitung sehr sinnvoll sein.


(Eine Ergänzung am Rande: In diesen Gesprächen kann es außerdem über die arbeitsrechtliche Situation gehen. Aus dem Grund ist es empfehlenswert, sich auf die Gespräche auch aus rechtlicher Perspektive vorzubereiten. Im besten Fall stellt die Unternehmensleitung oder Rechtsabteilung alle wichtigen Informationen für die Führungskräfte und Teams zur Verfügung.)


Mein Schwerpunkt liegt allerdings auf dem zwischenmenschlichen Umgang mit gegensätzlichen Meinungen. Vor bspw. einem Einzelgespräch mit einem Teammitglied sollte sich die Führungsperson mental darauf einstellen, d.h. dass die Gesprächsperson eine ganz andere Meinung haben könnte... um dann nicht aus allen Wolken zu fallen.


Es ist auch hilfreich sich der eigenen Haltung und Meinung bewusst sein. Welche Emotionen begleiten mich bei dem Thema? Wie gehe ich ggf. konstruktiv mit meinen Emotionen um? Auch unabhängig von solchen Einzelgesprächen ist es wichtig, einen konstruktiven Umgang mit Spannungen im Team zu finden.


Eine Idee ist hier bspw. selbst eine "Neugierige-Haltung" einzunehmen, d.h. die Hintergründe der Person zu erfragen oder wie es der Person derzeit damit geht etc. Die Kunst dabei ist es, die andere Meinung so stehen zu lassen und sich nicht in eine unkontrollierte oder destruktive Diskussion verwickeln zu lassen. Es kann helfen sich bewusst zu machen, dass es andere Haltungen und Meinungen gibt, die bestehen dürfen, auch wenn es unverständlich ist (auf wenige Ausnahmen, die nicht rechtskonform sind, werde ich hier nicht eingehen). Schwierig wird es oftmals, wenn versucht wird Überzeugungsarbeit zu leisten. Um Konflikte nicht weiter zu befeuern, empfehle ich, sich bewusst davon zu distanzieren.


Was wäre beispielsweise mit einem Satz wie: "Ich kann deine Meinung weder verstehen, noch nachvollziehen, aber ich akzeptiere, dass du eine andere Meinung hast." oder "Ok, dann lass uns in einem anderen Termin (mit dem Team) gemeinsam nach Lösungen suchen, wie wir die unterschiedlichen Bedarfe zusammenbringen. Bist du dabei?" Mit einer offenen Haltung, indem versucht wird gemeinsam nach Lösungen zu suchen und den Teamgedanken in den Vordergrund zu stellen, wird ggf. die Bereitschaft da sein, auch Kompromisse einzugehen.


In der weiteren Zusammenarbeit ist es hilfreich, andere Dinge der Person/en wie bspw. die Leistung, Stärken oder Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu rücken. Es kann auch die Frage nützlich sein: Für was ist es gut, dass diese Person/en anderer Meinung ist/sind als ich (oder vielleicht sogar als den Rest des Teams)? Wie können die Personen gut und konstruktiv in dem Team eingesetzt werden?


Auseinandersetzungen dieser Art, unterschiedliche Perspektiven sind häufig mit starken Emotionen verbunden. Deshalb ist es darüber hinaus wichtig, sich selbst und allen Teammitgliedern einen vertraulichen und ehrlichen Raum für ihre Emotionen zu geben. Hier darf die Führungsperson sich genauso äußern wie alle anderen und es ist auch vollkommen ok, wenn es mal unangenehm wird. Wichtig ist, dass jede Person bei sich und den eigenen Emotionen bleibt und keine Emotionen kommentiert und sie stehen gelassen werden, wie sie sind. Ohne Wenn und Aber. Eine Integration der Emotionen kann im daily business durch sog. Meeting Check-Ins erfolgen, tieferen Einzelsessions oder auch einem Workshop (Idee dazu folgt unten). Es ist außerdem vollkommen ok, wenn die Teammitglieder sowie die Führungsperson ihre persönlichen Grenzen wertschätzend durch bspw. konstruktives Feedback vermittelt.


Grundsätzlich gilt, Gemeinsamkeiten in den Vordergrund stellen und sich auf den Teamzusammenhalt fokussieren: Was ist für unser Team wichtig? Eine Vereinbarung treffen, dass jegliche Hetze oder unkontrollierte Diskussionen über die Corona-Situation sowie von oder über einzelne Personen keinen Platz haben. Und alle müssen dazu beitragen.


Wie oben schon gesagt, ist jede einzelne Person für einen guten Teamzusammenhalt wichtig. Das bringt mich zur nächsten Frage:


Was können die einzelnen Teammitglieder tun?

Die wohl größte Herausforderung für Teams ist es, unvereinbare Einzelmeinungen nebeneinander stehen zu lassen und einen gemeinsamen Weg zu finden, der ggf. mit einigen Kompromissen verbunden ist.


Einige oben genannten Gedanken wiederholen sich, deshalb halte ich es etwas kürzer. Wie die Führungsperson, sollte sich jedes einzlene Teammitglied sich der eigenen Haltung, Emotionen, Meinung und Grenzen bewusst sein. Und ebenfalls, dass es andere Meinungen gibt, die man nicht vertreten, aber akzeptieren muss. Sich bewusst zu fragen, was man für sich selbst tun kann, um gut mit anderen Meinungen zurecht zu kommen, kann hier hilfreich sein, wie bspw. die Neugierde in den Vordergrund stellen und mit Entspanntheit sich bewusst zu machen, dass keine Überzeugungsarbeit notwenig ist. Sich nicht dazu verleiten lassen, unüberlegte, destruktive Diskussionen über die Coronasituation zu führen. Viel wichtiger ist es, über die eigenen Emotionen zu sprechen und bei Bedarf die eigenen Grenzen konstruktiv mitzuteilen.


Selbstverständlich steht auch hier die Frage im Vordergrund: Was kann ich tun, um den Teamzusammenhalt zu stärken?


Unterschiedliche Perspektiven zu akzeptieren, die Situation wie sie derzeit ist, mit allen Vor- und Nachteilen anzunehmen und nicht wild zu diskutieren oder versuchen zu wollen zu überzeugen, machen es für einen persönlich oft viel einfacher. Auch die Frage: Tut es mir gut, mich mit dem Thema so intensiv auseinanderzusetzen?


Dabei ist es aber stets wichtig und unverzichtbar, die eigenen Grenzen transparent zu machen und konstruktiv zu kommunizieren. Genau deshalb ist es wichtig dem Thema Raum zu geben. Ein Teamworkshop bietet die ideale Gelegenheit, strukturiert den eigenen Gedanken Luft zu machen, um konstruktiv darüber zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Insbesondere, wenn das Thema unterschwellig prodelt und sich auf die Teamzusammenarbeit unterschwellig oder offensichtlich auswirkt, sollte das Thema offen und gemeinsam angepackt werden!


Was können wir als Team tun?

Wie bei allen Spannungen, die auch in anderen Kontexten auftreten, gilt die Regel, sie nicht zu ignorieren, sondern aktiv und konstruktiv anzugehen. Je länger Spannungen wie ein Elefant im Raum stehen bleiben, desto größer und heftiger werden sie. Es ist ein Irrglaube, dass sich die Konflikte in Luft auflösen oder sich keine nachhaltigen Konsequenzen für das Team ergeben. Hier liegt die Chance für Wachstum!


So ist auch in diesem Fall Transparenz förderlich. Das kann beispielsweise durch einen Workshop umgesetzt werden, in dem folgendes passiert:

  • Vertraulicher, wertschätzender Rahmen für den Workshop wird geschaffen, in dem niemand verurteilt oder bewertet wird

  • Die schwierige Situation proaktiv ansprechen ohne sie auf einzelne Personen zu beziehen i.S.v. „wir haben als Team eine herausfordernde Situation zu meistern, es gibt unterschiedliche Meinungen…“

  • Raum für Emotionen geben, um über die eigenen Emotionen zu sprechen… wie geht es mir gerade mit der Corona-Situation und der Situation im Team (wichtig ist, dass die Personen bei sich bleiben)

  • Gemeinsames Ziel definieren, bspw.: Top Performance im Team gewährleisten

  • Was kann jede:r einzelne von uns einbringen, um die Teamzusammenarbeit zu stärken bzw. das Ziel zu erreichen? (Jede Person überlegt sich selbst etwas für sich)

  • Klare Regeln im Team aufstellen, z.B. wann und wie im Daily Business Raum für Emotionen eingeräumt wird, keine Hetze, keine „Spitzen“ in Meetings, keine Überzeugungsversuche, sachliche Diskussionen nur in bestimmten Zeiten, etc.

  • Vereinbarung treffen, wie Feedback bei "Regelbruch" gegeben wird

  • Gemeinsam besprechen und/oder lernen, wie durch konstruktives Feedback eigene Grenzen geäußert werden

  • Bei bspw. örtlichen Einschränkungen der Zusammenarbeit: Gemeinsam nach Lösungen suchen (auch hier hilft die Frage, was jede Person einbringt bzw. tun kann, keine Ausgrenzung i.S.v. „Pech, dann ist die Person eben nicht dabei...“)

  • Über den Umgang mit Diversität sprechen, dass unterschiedliche Meinungen nebeneinander stehen bleiben dürfen und sie nicht annehmen muss.

  • Abschlussrunde mit gegenseitiger Wertschätzung: Was schätze ich an den Kolleg:innen?

  • Der Workshop sollte idealerweise von erfahrenen, neutralen Experten moderiert werden.


In dieser Situation zeigt sich sehr deutlich, wie konstruktiv eine Fehler- und Konfliktkultur wirklich gelebt wird. Außerdem auch, wie gut die Personen darin geübt sind, ihre Grenzen zu setzen und persönlich Feedback zu geben.


Wenn es also den Teams gelingt, miteinander zu reden ohne abzuwerten und eine authentische Fehlerkultur zu leben, wird es sie nachhaltig unterstützen als Team zusammenzuhalten und eine top Performance hinzulegen.


Mich interessiert jetzt brennend: Welche Wege habt Ihr im Team gefunden, um mit der Corona Situation bzw. mit Spannungen gut umzugehen?


Bis zum nächsten Mal,

Deine Domenika


P.S. Wenn Dir mein Beitrag gefallen hat, dann hinterlasse gerne ein Like!


 

Hi, ich bin Domenika!

Mein Antrieb ist es, eine neue und digitale Arbeitswelt mitzugestalten, die

menschlich, gesund und leistungsstark ist, damit unsere Wirtschaft ihr volles Potenzial entfalten kann. Deshalb berate ich Organisationen und begleite Führungskräfte mit ihren Teams in eine zeitgemäße Zusammenarbeit.


Komm bei Fragen und Anregungen gerne auf mich zu oder lass uns einfach kennenlernen!


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Bildquellen: WIX Library und eigenes Foto


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