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Im Business mit Legos spielen? Seriously?!

Aktualisiert: 12. Okt.

Ja, ernsthaft. LEGO® SERIOUS PLAY® wird speziell im Business angewandt. Es ist eine sehr effektive Methode, um gemeinsame Visionen, Ziele oder Ideen zu erarbeiten. Noch besser: Es ist eine Möglichkeit die Gedanken in den Köpfen der Menschen transparent zu machen, um erfolgreicher an einer gemeinsamen Sache zu arbeiten. Und das Tolle ist, dass die Durchführung der Methode sowohl online als auch offline möglich ist. Es lohnt sich auszuprobieren! In diesem Beitrag teile ich meine persönlichen Erfahrungen und gebe Dir einen kleinen Einblick in die Methode.


In diesem Artikel im Überblick:

1. Warum ist LEGO® SERIOUS PLAY® hilfreich?

2. Was genau ist LEGO® SERIOUS PLAY®?

3. Wie läuft der Prozess ab?

4. Ein Praxisbeispiel: Wie gelingt einem Team der Start ins Neue Arbeiten mit LSP?


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Warum ist LEGO® SERIOUS PLAY® hilfreich?

Jeder hat es schon einmal erlebt: Wir reden von ein und der selben Sache und irgendwann entpuppt sich dann doch, dass man von zwei verschiedenen Dingen spricht. Dies passiert im Privaten genauso wie im Beruflichen. Vor kurzem ging es mir mit einer Co-Workerin so. Gemeinsam haben wir ein Konzept für eine Online Moderation erarbeitet. Wir waren beide der festen Überzeugung, dass wir das gleiche Bild von einer Übung vor den Augen haben. Erst zu einem späteren Zeitpunkt, als auf einmal Fragezeichen über unseren Köpfen kreisten, sind wir noch einmal zurückgerudert: "Moment Mal, ich habe das Ziel so verstanden, dass..." sagte sie und holte noch einmal aus. "Gut, dass wir darüber gesprochen haben", sagte ich und schilderte mein Verständnis. Und beide Perspektiven sind weder richtig noch falsch, sie haben beide ihre Berechtigung. Kommt Dir diese Situation bekannt vor?

Im Business sprechen wir über jede Menge Themen mit großen und kleinen Auswirkungen oder Relevanz für den Unternehmenserfolg. Oftmals gehen wir automatisch davon aus, dass wir das gleiche Verständnis oder Bild von einer Sache haben. Nehmen wir als Beispiel einen Turm. Jetzt hast Du sicherlich einen Turm vor Augen (der sicherlich anders aussieht, als das Bild rechts) und wenn wir nun in einer kleinen Gruppe über einen Turm sprechen denken wir automatisch, er sieht genauso aus, wie ich ihn mir gerade vorstelle. Wir denken also, wir haben alle das gleiche Bild. Wenn jede Person diesen Turm, wie er einem gerade vor dem geistigen Auge erscheint aufmalen würde, wären wir erstaunt darüber, dass es genauso viele Versionen von dem Turm gibt, wie Menschen im Raum sind. Ein Turm ist eben nicht nur ein Turm.


Visualisierungen von Gedanken geben uns somit die Möglichkeit, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von eigenen Vorstellungen sichtbar zu machen. Dadurch wird eine Diskussionsgrundlage für alle geschaffen, mit der Meinungen sowie Perspektiven ausgetauscht und entstehende Fragen beantwortet werden können, die vorher gar nicht transparent gewesen sind.


Wenn ich zurückblicke, kann ich gar nicht mehr zählen wie oft ich solche Situationen in Teammeetings erlebt habe. Geschweige denn bei Projektzielen oder -aufgaben. Und in aller Regel werden die Differenzen erst dann transparent, wenn es irgendwo knirscht oder es Spannungen gibt. Ein:e Chef:in gibt Ziele oder Aufgaben vor, fragt ob sie verstanden wurden, alle sagen ja und los geht's! Ich kann mich nur selten daran erinnern, dass im Vorhinein das Verständnis oder die unterschiedlichen Perspektiven auf ein Thema besprochen wurden und die Ziele oder Aufgaben gemeinsam erarbeitet wurden. Regelmäßig wird davon ausgegangen, dass das Verständnis da ist. Bis es dann irgendwann auffällt und im schlimmsten Fall kracht. Und wer hat dann Recht?


Vielen Menschen fällt es allerdings schwer, wie oben im Turmbeispiel dargestellt, aus dem Stehgreif etwas auf das Papier zu malen oder zu zeichnen. Dieser Hemmung begegnet LEGO® SERIOUS PLAY® durch eine strukturierte und dennoch kreative Art und Weise.

Was genau ist LEGO® SERIOUS PLAY®?


Es handelt sich um eine strukturierte Methode, mit deren Hilfe Gruppen und Teams Ziele erreichen, Probleme lösen oder Ideen erforschen können. Alle Personen bauen zunächst ein eigenes LEGO®-Modell aus ihrer Perspektive zum Thema. Daraus wird dann ein gemeinschaftliches Modell gebaut. Durch den geführten Prozess wird Schritt für Schritt mit den Händen gedacht, gebaut, die eigene Geschichte erzählt und reflektiert. Auf diese Weise wird ein gemeinsames Verständnis entwickelt.


Die Philosophie dahinter bildet die Grundidee der partizipativen Führung, d.h. ein demokratischer, zielorientierter, konstruktiver und alle Teilnehmenden inkludierender Prozess. Es werden eigene Meinungen geteilt, ohne anderen Wahrheiten zu widersprechen. Sie stehen nebeneinander, weil jede Perspektive ihre Berechtigung hat. Durch den Prozess wird Klarheit geschaffen, unterschiedliche Sichtweisen werden transparent und es lädt dazu ein, die anderen Personen besser zu verstehen und Fragen zu stellen.


Selbst wenn einem die LEGO®-Steine unbekannt sind oder einem die Steine als Kind wenig Spaß gemacht haben, finden Menschen einen leichten Zugang zu der LEGO® SERIOUS PLAY® Methode, weil die Steine anders verwendet werden. Es werden zu ernsten und relevanten Themen dreidimensionale Gedankenmodelle gebildet, die mit Metaphern gedeutet und erklärt werden. So wird es anderen ermöglicht, die eigenen Gedanken zu begreifen und zu hinterfragen.


Wie läuft der Prozess ab?


Im Anbetracht der aktuellen Situation gehe ich auf den online Prozess ein. In Präsenz laufen die Workshops leicht anders ab. Auch online arbeiten die Teilnehmenden mit den physischen LEGO®-Steinen. Dafür werden sie vorher nach Hause geschickt. Vor allem die Tools ändern sich im Vergleich zur Präsenzveranstaltung.

Meine Erläuterungen zum Modell über Zoom

Zunächst geht es deshalb darum, dass sich die Teilnehmenden mit der Technik und den LEGO®-Steinen vertraut machen. Denn neben einem online Kommunikationstool wie beispielsweise Zoom oder MS Teams, werden die Teilnehmenden ein online Whiteboard nutzen. Das dient dem Zweck, dass die einzelnen, von den Teilnehmenden gebauten Modelle bzw. Elemente abfotografiert und dort abgelegt werden können. Dies ermöglicht die gemeinsame Zusammenarbeit an dem Gesamtmodell. Zu den technischen Voraussetzungen gehören außerdem eine funktionierende Internetverbindung, guter Ton und gutes Licht sowie eine "Bühne" mit weißem Hintergrund für die Präsentation der einzelnen Modelle (siehe Foto).


In einer ersten Skills Building Session lernen die Teilnehmenden die LEGO®-Steine zusammenzubauen, Metaphern zu bilden und Geschichten zu erzählen. Jeder Stein hat eine eigene Bedeutung, nämlich diejenige, die der Mensch ihm gibt. Ein roter Stein kann beispielsweise für eine Person ein Feuerwehrwagen sein, für eine andere wiederum ein Backstein. Je nach eigener Interpretation. Werden mehrere Legosteine zu einem Modell zusammengebaut, entsteht also eine individuelle Geschichte. Diese Geschichte wird dann von dem:der Teilnehmenden erzählt und die anderen hören aufmerksam zu. Anhand des Modells kann man sich die Geschichte dann auch viel einfacher und länger merken.


Nachdem sich die Teilnehmenden mit den Steinen und dem Umgang damit vertraut gemacht haben, geht es in die eigentliche Durchführung. In einer ersten Phase bauen die Teilnehmenden ihr individuelles Modell in wenigen Minuten zu der Aufgabe, die sie gestellt bekommen haben. Die kurze Zeit hat den Vorteil, dass sich zum einen nicht auf Details fokussiert und zum anderen nur intuitiv das Wichtigste herausgearbeitet wird. Es geht nicht um Perfektionismus oder Vollständigkeit. Nur das Relevanteste ist von Bedeutung. Nachdem die Zeit abgelaufen ist, dürfen die Teilnehmenden ihre Geschichte dazu erzählen. Nach jeder Geschichte erfolgen Rückfragen. Am Ende darf eine Reflektion nicht fehlen.


Etwas anspruchsvoller wird es dann in der zweiten Phase. Diese besteht im ersten Schritt aus dem Zerlegen in einzelne Elemente, Hochladen und Priorisieren der eigenen Modelle. Und im zweiten Schritt aus dem Bau des gemeinsamen Modells. Dafür stehen zwei Methoden zur Auswahl: "Magic Hand" und "Build-along®". Bei Magic Hands® weisen die Teilnehmenden den:die Moderator:in an, wie die einzelnen Elemente auf einer Platte für das gemeinsame Modell zusammengefügt werden sollen. Bei Build-along® nehmen die Teilnehmenden die Möglichkeit wahr, dass sie ebenfalls, synchron neben dem:der Moderator:in das gemeinsame Modell mitbauen.

Lego Serious Play
Gemeinsames Modell aus Baustufe 2

Am Ende steht ein gemeinsam erarbeitetes Modell zu bspw. einer Vision, das von allen Teilnehmenden erstellt wurde und hinter dem alle stehen. Sollte es nicht möglich sein einen gemeinsamen Nenner zu finden (was sehr selten vorkommt), werden zumindest die Themen anhand dem Modell aufgedeckt, woran es hakt. Dies kann auch von enormen Mehrwert für das Team sein.


Es ist also kein Spiel für Kinder. Und auch keins für Erwachsene. Es ist ein spielerischer Prozess, um mit Leichtigkeit ernsten Themen zu begegenen und um Perspektiven auszutauschen. Was nach spielen aussieht, ist harte Arbeit. Es braucht viel Konzentration und Fokus. Dafür bekommen die Teilnehmenden aber auch jede Menge Spaß.


Ein Praxisbeispiel:

Wie gelingt einem Team der Start ins Neue Arbeiten?


Zum Perspektivwechsel für das komplexe Thema New Work habe ich als Methode LEGO® SERIOUS PLAY® entdeckt. In der Business Welt herrschen unterschiedliche Blickwinkel auf das Neue Arbeiten. Oftmals sprechen die Menschen von dem Begriff und meinen vollkommen unterschiedliche Dinge. Viele meiner Kund:innen fangen erst an sich mit dem Thema New Work auseinanderzusetzen.


Ich sehe das Neue Arbeiten als Verbindung von Menschlichkeit und Effizienz, das insbesondere auf neuen Werten wie Sinn-Orientierung, Eigenverantwortung, Kooperation, Transparenz, Anpassungsfähigkeit, Potenzialentfaltung, verteilte Führung und ... nicht zu vergessen... Freude bei der Arbeit beruht. Es geht nicht darum, die Menschen effizienter zu machen, sondern schnellere Entscheidungen zu treffen und die Technik so zu nutzen, dass sie ihnen das Leben und die Arbeit leichter macht. Auch wenn ich mit meinem New Work Gedanken meine Kund:innen inspiriere, heißt das nicht, dass mein Verständnis auch exakt ihr Verständis ist bzw. genau das ist, was sie im Moment brauchen. Deshalb ist es wichtig, dass sie ihre eigene Sichtweise auf das Thema entwickeln.


Wenn ich mit Führungskräften und Teams meinen NewWork Starter Workshop durchführe, ist es deshalb zunächst von großer Bedeutung sich die unterschiedlichen Perspektiven über das Neue Arbeiten anzuhören, sich auszutauschen und ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Dies ist sehr gut mit LEGO® SERIOUS PLAY® möglich. Das Wichtige in dem Prozess ist, dass er partizipativ ist, d.h. Führungspersonen und Mitarbeitende gleichwertig teilnehmen und keine Meinung wichtiger ist als die andere.


Es kommt auch durchaus vor, dass die Führungspersonen schon ganz konkrete Bilder von der neuen Zusammenarbeit in Form von agilem Arbeiten im Kopf haben, die Mitarbeitenden aber an etwas ganz anderes denken oder andersherum. Die Arbeit mit LEGO® SERIOUS PLAY® schafft somit Transparenz über die unterschiedlichen Sichtweisen und ermöglicht alle an ihren unterschiedlichen Startpunkten abzuholen. Dann kann die Reise für alle beginnen und keine Person wird abgehängt. Der Erfolg für die Veränderung ist deshalb viel wahrscheinlicher und die Motivation aller Teilnehmenden höher.


Die Teams sind in der Lage ihren eigenen Weg ins Neue Arbeiten zu finden, ohne dass er von außen vorgegeben wird. Sie können ihren Weg in ihrem Tempo gehen. Wichtig ist natürlich, dass nach der Erstellung des Zukunftsbildes auch Aktivitäten erarbeitet werden, die zu dem Ziel hinführen. Aus diesem Grund lasse ich die Teams danach die aktuelle Situation beleuchten und sie eigene, passende und konkrete Lösungen für die bestehenden Hindernisse entwickeln.


Meine Rolle ist es den Prozess zu begleiten, Impulse zu geben und blinde Flecken aufzudecken. Wichtig ist außerdem der Grundgedanke, dass der Prozess nicht geradlinig verläuft, sondern iterativ, d.h. der Weg sollte immer wieder reflektiert und angepasst werden. Ebenso das Zukunftbild. Denn nur so, können die Teams aktuellen Herausforderungen adäquat begegnen und ihre Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellen. Das Schönste für mich ist es jedoch, dass ich die Teams dabei unterstütze eine neue Zusammenarbeit zu erreichen, mehr Freude und Energie bei der Arbeit zu haben und dadurch größere Erfolge zu feiern.

 

Neugierig geworden? Dann schreib oder sprich mich, Domenika, gerne direkt an:

+49 (0) 176-4710 4119 oder wandel@domenika-rinke.de


Literaturempfehlung:


Blair, Sean/ Dröge, Jens, So funktioniert die LEGO® SERIOUS PLAY®-Methode online. Neue Moderationstechniken für gemeinsame Modelle im Remote-Modus. München: Franz Vahlen, 2021.


Blair, Sean/ Rillo, M., SERIOUS WORK, Meetings und Workshops mit der LEGO® SERIOUS PLAY® Methode moderieren mit bewusster Inkompetenz. München: Franz Vahlen, 2019.